Rolf Ahlers ist immer neugierig

Rolf Ahlers ist immer neugierig

WENDEBURG-WENDEZELLE (tw). Jede Gemeinde, jedes Dorf hat seine ganz besonderen historischen Eigenheiten. Vieles wird Mund zu Mund überliefert, manches mithilfe von Niederschriften und Fotografien. Trotz dieser Maßnahmen ist viel dörfliches Gedanken- und Kulturgut aus früheren Zeiten verloren gegangen. Aus diesem Grund gibt es heute nahezu in jedem Ort einen Heimatpfleger. In Wendeburg hat dieses ehrenamtliche Amt Rolf Ahlers übernommen.

Offiziell hat der gebürtige Wendezeller das Amt am ersten Januar 1986 angetreten. Aber schon sechs Jahre zuvor war er in diesem Bereich tätig. Er erinnert sich: „Zur 600-Jahr-Feier von Wendezelle sollte 1980 eine Festschrift verfasst werden. Es wurde

Hat schon viel zur Ortsgeschichte von Wendeburg recherchiert und geschrieben: Rolf Ahlers arbeitet ehrenamtlich. Foto: T.Wosnitza

abgestimmt, dass ich diese Aufgabe übernehme. Am Ende der Vorarbeiten hatte ich so viele Informationen gesammelt, dass ich mich nach der Festschrift gleich an eine Chronik gesetzt habe.“

Der Heimat verbunden

Dass er aus Wendezelle stammt, war bei der Niederschrift von Vorteil. „Im Laufe der Zeit habe ich noch viele andere Chroniken geschrieben, unter anderem von Essinghausen und Meerdorf. In solchen Fällen muss ich im Vorfeld viele Gespräche führen und konkret fragen. Das ist schwieriger, weil man nicht direkt vor Ort aufgewachsen ist“, macht Rolf Ahlers deutlich.
Aber die Aufgabe eines Heimatpflegers beschränkt sich nicht nur auf das Abfassen von Chroniken. Ein Heimatpfleger muss neben dem Interesse an der Historie seiner Ortschaft auch ein Sammel- und Organisationstalent und Kreativität besitzen.

Ahlers zählt auf: „Das Fotografieren von Gebäuden, Bäumen und Menschen, das Sammeln von Karten, Fotos und Zeitungsartikeln, die Sicherung historischer Dokumente, das Verfassen von Texten, das Befragen von älteren Einheimischen zum früheren Leben und die Initiierung von Heimatveranstaltungen gehören zum Aufgabenbereich eines Heimatpflegers“ – um nur einiges zu nennen.

Wichtig ist vor allem der Austausch mit anderen Heimatpflegern und auch mit den Bewohnern des Ortes. Denn nur über Gespräche können Techniken zum Erhalt historischer Güter weitergegeben werden. Gefragt ist auch die Muße, sich neue Techniken selbst anzueignen. Während 1980 Innschriften noch handschriftlich übertragen wurden, werden sie heute zum Beispiel digital abfotografiert.

Die Zeit zählt Ahlers nicht

Rolf Ahlers hat ein eigenes Zimmer für seine gesammelten Funde, Zeitungsartikel, Nachschlagewerke und eigene Veröffentlichungen. In zwei großen Regalen warten die Unterlagen säuberlich sortiert auf ihren Einsatz. „Trotzdem verstecke ich ein Dokument aus der Vergangenheit manchmal so gut, dass ich es erst einmal suchen muss“, gibt er unumwunden zu.

Wie viel Zeit Rolf Ahlers täglich für seine ehrenamtliche Tätigkeit aufwendet, vermag er nicht zu sagen: „Ich versuche es auf den Vormittag zu beschränken“.

Die Heimatpflege ist für ihn etwas Schönes, das er für andere Menschen und die Nachwelt macht. Zur Selbstverwirklichung diene sie nicht. Und obwohl er unter seinen Kollegen viele Lehrer der Gesellschaftswissenschaften hat, ist lediglich historisches Interesse Voraussetzung für das Ehrenamt.

Bester Beweis ist Ahlers‘ eigener Beruf – als studierter Maschinenbauingenieur kommt er aus einem ganz anderen Bereich. Eine Tatsache, die sich schon oft als großer Vorteil entpuppt hat: Jeder Nichthistoriker betrachtet historisches Gut aus einem ganz anderen Blickwinkel.